Die globale RAM-Krise treibt Preise in die Höhe: Micron steigt aus dem Endkundengeschäft aus und neue Fabriken liefern erst ab 2027. Die Ursachen, einige Hintergründe und eine realistische Preisprognose.
Die Preise für Arbeitsspeicher (RAM) kennen seit Monaten nur eine Richtung: nach oben. Was für viele nach einem kurzfristigen Engpass klingt, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als strukturelle Krise des globalen Speichermarktes. Für PC-Nutzer, Gamer und Unternehmen wird RAM zunehmend zum Kostenfaktor – und eine schnelle Entspannung ist nicht in Sicht.
Doch warum ist RAM überhaupt knapp? Welche Rolle spielt der Ausstieg von Micron aus dem Endkundengeschäft? Und vor allem: Wann könnten die Preise wieder sinken?
Warum gibt es aktuell eine RAM-Knappheit?
Die Ursachen der aktuellen DRAM- und RAM-Krise sind komplexer als klassische Lieferprobleme. Der KI-Boom frisst den Markt leer. Die Großen Tech-Konzerne wie Google, Microsoft, Amazon und OpenAI bauen gigantische KI-Rechenzentren. Diese benötigen spezielle Hochleistungsspeicher wie HBM (High Bandwidth Memory) und dafür werden enorme Produktionskapazitäten benötigt. Das blockiert Kapazitäten, die früher für normalen DDR4- und DDR5-RAM genutzt werden konnten.
Hersteller priorisieren Profit statt Masse
Samsung, SK Hynix und Micron konzentrieren sich zunehmend auf lukrative Enterprise- und KI-Produkte, da dort deutlich höhere Margen erzielt werden. Klassischer Consumer-RAM für PCs, Gaming-Rechner und Workstations verliert dadurch an Priorität. Der RAM-Markt ist stark monopolisiert. Wenn ein großer Anbieter Kapazitäten verlagert oder sich aus bestimmten Sparten zurückzieht, wirkt sich das direkt auf Preise und Verfügbarkeit aus.
❌ Micron steigt aus dem Endkundengeschäft aus
Ein besonders kritischer Punkt der aktuellen Situation ist die Entscheidung von Micron, sich aus dem Endkundengeschäft zurückzuziehen. Die bekannte Marke Crucial, welche jahrelang RAM und SSDs für Endkunden produzierte, wird eingestellt.
Micron fokussiert sich stattdessen auf:
- HBM-Speicher für KI
- Enterprise-Lösungen
- Großkunden und Hyperscaler
Damit verschwindet einer der wichtigsten Anbieter im Consumer-Segment. Aktuell ist nicht absehbar, welcher Hersteller diese Lücke füllen kann und wann zusätzliche Kapazitäten für Endkunden zur Verfügung stehen.
Für Verbraucher bedeutet das: weniger Auswahl, weniger Wettbewerb und noch höhere Preise.
Neue RAM-Fabriken: Warum Entlastung erst ab 2027 realistisch ist
Viele hoffen auf neue Fabriken. Doch der Bau von Halbleiterwerken dauert Jahre und benötigt einiges an Planung.
Micron Taiwan möchte nun nach dem Aufkaufen vom Taiwanesischen Hersteller Powerchip die DRAM-Produktion für den Consumer-Bereich auf das aufgekaufte Unternehmen verlagern. Nennenswerte Produktionskapazitäten können jedoch erst zwischen 2027 und 2028 erwartet werden.
Die neue Micron Megafab in den USA, welche ab dem 16. Januar 2026 in den Bau startete, wird die Produktion hauptsächlich auf Speicherlösungen für moderne KI-Rechenzentren legen. Jedoch kann auch hier voraussichtlich erst ab 2030 mit der Produktion gerechnet werden.
Am vielversprechendsten ist daher der Ausbau der Kapazitäten bei Samsung und SK Hynix. Hier sollen bereits im Jahr 2026 die Produktionskapazitäten für HBM-Speicher ausgebaut werden. Durch die hohe nachfrage ist jedoch eher damit zu rechnen, dass sich die Preise vorübergehend stabilisieren werden. Dies könnte ab dem 3. Quartal relevant werden. Echte Preisstürze wird es auch damit voraussichtlich nicht geben.
Wichtig zu wissen ist, dass selbst wenn Fabriken fertiggestellt sind, Monate bis Jahre vergehen, bis Prozesse stabil laufen und große Stückzahlen produziert werden. Somit wird 2026 kaum Entlastung bringen. Entwarnung wird es frühestens 2027/2028 geben.
📈Preisprognose: Wann wird RAM wieder günstiger?
2026: Die Preise bleiben hoch
- Anhaltend starke KI-Nachfrage
- Kaum zusätzliche Produktionskapazität
- Wenig Wettbewerb im Consumer-Segment
➡️ Hohe Preise bleiben die neue Normalität
2027: Erste leichte Entspannung möglich
- Erste neue Kapazitäten kommen langsam in den Markt
- Preissteigerungen könnten abflachen
- Leichte Rückgänge bei einzelnen RAM-Modulen möglich
➡️ Noch keine Rückkehr zu „günstigem RAM“
2028: Realistische Chance auf Normalisierung
- Neue Fabriken liefern stabile Produktionsmengen
- Das Angebot könnte wieder mit der Nachfrage mithalten
- Der Markt könnte sich entspannen
➡️ Erst ab 2028 sind wieder deutlich günstigere Preise realistisch
Fazit: Die RAM-Krise ist kein kurzer Engpass sondern eine längerfristige Knappheit
Die aktuelle RAM-Krise ist nicht nur Folge hoher Nachfrage, sondern auch das Resultat einer strategischen Neuausrichtung der gesamten Branche für den KI-Sektor. Mit dem Ausstieg von Micron aus dem Endkundengeschäft, der Fokussierung auf KI-Speicher und den jahrelangen Vorlaufzeiten neuer Fabriken bleibt der Markt weiterhin angespannt.
💡Unsere Empfehlung: Jetzt investieren statt später mehr zahlen
Angesichts der aktuellen Marktentwicklung ist klar: RAM-Preise werden 2026 mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht sinken, sondern eher weiter leicht steigen oder auf hohem Niveau verharren. Neue Produktionskapazitäten, die den Markt wirklich entlasten könnten, sind frühestens 2027 oder 2028 zu erwarten.
Wer also ohnehin einen neuen PC, eine Aufrüstung oder eine Workstation plant, fährt aktuell meist besser, jetzt zu investieren statt den Kauf aufzuschieben.
Ein Abwarten bringt voraussichtlich keinen Preisvorteil, erhöht aber das Risiko, später noch höhere Kosten oder schlechtere Verfügbarkeit in Kauf nehmen zu müssen.
Kurz gesagt:
👉 Wer mehr Leistung benötigt, sollte jetzt zuschlagen anstatt später noch mehr für die gleiche Leistung zu zahlen.